Zweiter Hamburger Bewegungsbericht

Der zweite Hamburger Bewegungsbericht liefert neue Erkenntnisse zum Bewegungsverhalten der Hamburgerinnen und Hamburger und bietet Impulse für Hamburgs Bewegungs- und Gesundheitsförderung.
Methodik des Zweiten Hamburger Bewegungsberichts
Gliederung
- Raumbezogene Auswertungen
- Sportaktivität nach Organisationsform
- Zielgruppe Kinder und Jugendliche
3.1. SOPESS
3.2. Schwimmfähigkeit - Zielgruppe Erwachsene und ältere Erwachsene
4.1. NAKO
4.2. HCHS
4.3. LUCAS
1. Raumbezogene Auswertung
Im Rahmen des Zweiten Hamburger Bewegungsberichtes wird das Bewegungsverhalten von Hamburger*innen auf Stadtteilebene dargestellt. Da einige Stadtteile jedoch eine geringe Einwohnerzahl aufweisen, wurden auf Grundlage des Hamburger Morbiditätsatlas (2013) diese Stadtteile zu Stadtteilclustern zusammengefasst. Es wurden ausschließlich nebeneinanderliegende Stadtteile mit vergleichbaren sozioregionalen Faktoren gruppiert. Dies ermöglicht einen aussagekräftigeren Vergleich von geschlechts- und altersgruppenspezifischen Merkmalen. Die zusammengelegten Stadtteile und die zugehörigen Cluster sind Tabelle 01 zu entnehmen. Die Kartierung der untersuchten Variablen auf Stadtteilclusterebene erfolgte in Zusammenarbeit mit der HafenCity Universität. Für die Programmierung wurden Geo-Informations-Systeme (GIS) verwendet.
Tabelle 1. Stadtteilcluster in Hamburg (Quelle: Morbiditätsatlas Hamburg, 2013)
| Stadtteilcluster | Stadtteile |
| Stadtteilcluster Rothenburgsort | Billbrook, Hammerbrook, Rothenburgsort |
| Hamburg-Altstadt und Neustadt | Hamburg-Altstadt, Neustadt |
| Stadtteilcluster Wilhelmsburg | Kleiner Grasbrook und Steinwerder, Veddel, Wilhelmsburg |
| Borgfelde und St. Georg | Borgfelde, St. Georg |
| Allermöhe und Bergedorf | Allermöhe, Bergedorf |
| Stadtteilcluster Kirchwerder | Altengamme, Billwerder, Curslack, Kirchwerder, Moorfleet, Neuengamme, Ochsenwerder, Reitbrook, Spadenland, Tatenberg |
| Stadtteilcluster Marmstorf | Langenbek, Marmstorf, Neuland und Gut Moor, Rönneburg, Sinstorf |
| Stadtteilcluster Neuenfelde | Cranz, Francop, Moorburg und Altenwerder, Neuenfelde |
| Duvenstedt und Lemsahl-Mellingstedt | Duvenstedt, Lemsahl-Mellingstedt |
| Bergstedt und Wohldorf-Ohlstedt | Bergstedt, Wohldorf-Ohlstedt |
| Nienstedten und Othmarschen | Nienstedten, Othmarschen |
| Altona-Nord und Sternschanze | Altona-Nord, Sternschanze |
| Iserbrook und Sülldorf | Iserbrook, Sülldorf |
| Fuhlsbüttel und Groß Borstel | Fuhlsbüttel, Groß Borstel |
| Eppendorf und Hoheluft-Ost | Eppendorf, Hoheluft-Ost |
| Hohenfelde und Uhlenhorst | Hohenfelde, Uhlenhorst |
2. Sportaktivität nach Organisationsform
Die Aktivität im organisierten Sport wurde im Zeitraum von 2019 – 2024 anhand der Mitgliedschaften in Sportvereinen und Fitnessstudios analysiert. Hierfür wurden Daten und Berichte vom Hamburger Sportbund (HSB), dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) hinzugezogen. Die jeweiligen Stichtage der Datenerhebung sind Tabelle 01 zu entnehmen. Die Mitgliederstatistiken der einzelnen Organisationen sind online einsehbar:
Hamburger Sportbund (HSB): https://www.hamburger-sportbund.de/service/download-arena/16-statistiken/
Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB): https://www.dosb.de/service/downloads
Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen e.V. (DSSV): https://www.dssv.de/eckdaten-2024/
Die Mitgliedsdaten im organisierten Vereinssport (HSB und DOSB) werden in den Berichten nach Jugendlichen, Erwachsenen und Senior*innen eingeteilt. Im Hamburger Bewegungsbericht wird lediglich zwischen Jugendlichen und Erwachsenen (Im HSB ab 18 Jahren, im DOSB ab 19 Jahren) differenziert. Der DOSB verzeichnete zudem in den Jahren 2022 bis 2024 eine begrenzte Anzahl an Mitgliedern, die sich als divers identifizierten, jedoch aufgrund des geringen prozentualen Anteils an der Gesamtmitgliederzahl im Hamburger Bewegungsbericht nicht berücksichtigt wurden.
Tabelle 2. Stichtage der Datenerhebung
| HBB2 | HSB | DOSB | DSSV |
| 2019 | 31.12.2018 | 01.01.2019 | 31.12.2018 |
| 2020 | 31.12.2019 | 01.01.2020 | 31.12.2019 |
| 2021 | 31.12.2020 | 01.01.2021 | 31.12.2020 |
| 2022 | 31.12.2021 | 01.01.2022 | 31.12.2021 |
| 2023 | 31.12.2022 | 01.01.2023 | 31.12.2022 |
| 2024 | 31.12.2023 | 01.01.2024 | 31.12.2023 |
3. Zielgruppe Kinder und Jugendliche
3.1 Sozialpädiatrisches Entwicklungsscreening für Schuleingangsuntersuchungen (SOPESS)
Rahmenbedingungen
Das Sozialpädiatrische Entwicklungsscreening für Schuleingangsuntersuchungen (SOPESS) wurde von Schulärztinnen und -ärzten bei Hamburger Vorschulkindern im Alter von etwa 5-6 Jahren durchgeführt. Dabei wurden die Schuljahre 2018/19, 2021/22 und 2022/23 berücksichtigt. In den Jahren 2019/20 und 2020/21 fand aufgrund der COVID-19 Pandemie keine Datenerhebung statt. Für die Verwendung im Hamburger Bewegungsbericht wurden die Daten von der Sozialbehörde sowie nach Abstimmung mit den zuständigen Bezirksämtern zur Verfügung gestellt. Insgesamt wurden 48011 Kinder getestet, die Größe der Stichprobe in den einzelnen Jahren ist Tabelle 01 zu entnehmen.
Tabelle 3. Anzahl der teilnehmenden Kinder nach Schuljahr
| Schuljahr | Gesamt | Mädchen | Jungen |
| 2018/2019 | 14865 | 7212 | 7653 |
| 2021/2022 | 15258* | 7465 | 7792 |
| 2022/2023 | 17888 | 8823 | 9065 |
* inklusive 1 Kind mit unbekanntem Geschlecht
Methodik
Im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung durchlaufen die Kinder verschiedene motorische und kognitive Testungen. Im Hamburger Bewegungsbericht wird hiervon lediglich die Körperkoordination analysiert. Die Kinder haben die Aufgabe, innerhalb von 10 Sekunden so viele Seitsprünge wie möglich durchzuführen. Anhand der Anzahl der geschafften Sprünge wurde die Leistung im Bereich der Körperkoordination in unauffällig, grenzwertig und auffällig eingestuft (Vgl. Tabelle 02). Zusätzlich wurden noch die selektive Aufmerksamkeit, die Visuomotorik und die visuelle Wahrnehmungsfähigkeit erfasst, die jedoch im Bewegungsbericht keine Berücksichtigung finden. Neben der motorischen und kognitiven Leistungsfähigkeit wurden weitere Rahmenbedingungen erfasst. Hierzu zählt das Geschlecht, der BMI in kg/m2, der Migrationshintergrund, die aktuelle Berufstätigkeit der Eltern und der Stadtteil des Wohnortes. Aus diesen Variablen sowie verschiedenen geographischen Parametern, wie der Anzahl der Spielplätze je Einwohner unter 18 Jahren, wurden Korrelationen mit der Körperkoordination gerechnet, um mögliche Zusammenhänge zu erkennen.
Tabelle 4. Klassifikation der Körperkoordination
| Klassifikation | Anzahl der Seitsprünge |
| Unauffällig | mindestens 9 Sprünge in 10 Sekunden |
| Grenzwertig | 7-8 Sprünge in 10 Sekunden |
| Auffällig | 0-6 Sprünge in 10 Sekunden |
Darüber hinaus wurden Zusammenhänge mit dem Sozialstatus der jeweiligen Stadtteile überprüft. Hierfür wurde ein Sozialindex verwendet, dessen Berechnung dem Sozialmonitoring – Bericht von 2023 entnommen werden kann.
Sozialmonitoring Integrierte Stadtteilentwicklung – Bericht 2023: https://www.hamburg.de/resource/blob/286264/30117a83fe60f77cbd7344274fa5beb4/d-sozialmonitoring-bericht-2023-data.pdf
Weitere Berichte des Hamburger Sozialmonitorings: https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/behoerde-fuer-stadtentwicklung-und-wohnen/themen/stadtentwicklung/integrierte-stadtteilentwicklung/sozialmonitoring-286416
3.2 Schwimmfähigkeit
Rahmenbedingungen
Die Schwimmfähigkeit von Hamburger Grundschulkindern wurde in den Schuljahren 2021/2022 und 2022/2023 jeweils vor und nach der Durchführung des Schwimmunterrichts erfasst. Zusätzlich wurden Erhebungen aus den Jahren 2016/2017 bis 2020/2021 hinzugezogen, die zur Verwendung im Hamburger Bewegungsbericht von der Bäderland Hamburg GmbH zur Verfügung gestellt wurden. Dabei wurden insgesamt 217 Schulen aller Hamburger Bezirke berücksichtigt. Die Befragungen erfolgten in jedem Schuljahr sowohl in der Klassenstufe 3 und der Klassenstufe 4. Die genauen Daten der Stichprobe sind in Tabelle 01 dargestellt. Anzahl der teilnehmenden Schulen je Bezirk ist Tabelle 02 zu entnehmen.
Tabelle 05. Anzahl der untersuchten Kinder nach Schuljahr und Klassenstufe
| Schuljahr | Klasse 3 (1. HJ) | Klasse 4 (1. HJ) | Klasse 3 (2. HJ) | Klasse 4 (2. HJ) |
| 2016/2017 | 5414 | 7666 | 7969 | 4984 |
| 2017/2018 | 5185 | 7977 | 7886 | 5102 |
| 2018/2019 | 5363 | 8180 | 8214 | 5328 |
| 2019/2020 | 5038 | 8919 | 8531 | 5339 |
| 2020/2021 | 5104 | 8989 | 7887 | 5490 |
| 2021/2022 | 5481 | 8903 | 8191 | 6094 |
| 2022/2023 | 5771 | 9220 | 8845 | 6313 |
Tabelle 6. Anzahl inkludierter Schulen nach Bezirk in den Schuljahren 2021/22 und 2022/23
| Bezirk | Anzahl der Schulen |
| Altona | 23 |
| Bergedorf | 19 |
| Eimsbüttel | 20 |
| Hamburg-Mitte | 34 |
| Hamburg-Nord | 30 |
| Harburg | 21 |
| Wandsbek | 55 |
Methodik
Als schwimmfähig wurden die Kinder eingestuft, wenn sie mindestens das Bronze-Abzeichen absolviert haben. Die Schwimmabzeichen wurden jeweils vor und nach Durchführung des Schwimmunterrichts erfasst. Neben der Schwimmfähigkeit wurden demographische (Alter, Schulklasse) und geographische (Schwimmhalle, Schule, Stadtteil) Parameter erhoben.
Für den Vergleich der Schwimmfähigkeit von Hamburger Grundschulkindern mit dem bundesweiten Durchschnitt wurden Vergleichsdaten von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) herangezogen. Die Daten beruhen auf einer repräsentativen forsa-Bevölkerungsumfrage aus dem Jahr 2022 und sind online einsehbar.
Repräsentative Bevölkerungsbefragung von forsa (Quelle: DLRG): https://www.dlrg.de/informieren/die-dlrg/presse/schwimmfaehigkeit/
4. Zielgruppe Erwachsene und ältere Erwachsene
4.1 NAKO Gesundheitsstudie
Rahmenbedingungen
Die Ersterhebung der NAKO Gesundheitsstudie wurde in Hamburg in den Jahren 2015 – 2019 (Stichtag: ? ) durchgeführt. Hierfür wurden insgesamt 10.095 Personen (4.927 Männer, 5.168 Frauen) im Alter von 20 – 69 Jahren eingeschlossen, die per Zufallsziehung aus der Hamburger Bevölkerung ausgewählt wurden. Von diesen Personen nahmen 6.458 Hamburgerinnen und Hamburger (3.179 Männer, 3.279 Frauen) an der Folgeuntersuchung in den Jahren 2020 – 2024 (Stichtag 30.06.2024) teil.
Methodik
Die körperliche Aktivität wurde in beiden Erhebungen mithilfe von zwei validierten Fragebögen erhoben: Das Questionnaire of Annual Physical Activity Pattern (QUAP) beinhaltet insgesamt 28 Fragen zur körperlichen Aktivität, welche die Erwerbstätigkeit, den Haushalt, die Fortbewegung, Freizeitaktivitäten, Sport und Bewegung, sowie Treppen steigen und sitzende Aktivitäten berücksichtigen. Abgefragt wird dabei die Art der Aktivität sowie die Frequenz (Monate/Jahr, Tage/Woche, Stunden/Tag) und die Intensität (leicht, moderat, etwas schwer, überwiegend schwer). Die Daten werden anschließend nach Altersgruppe, Geschlecht und Jahreszeit eingeteilt. Der zweite Fragebogen, das Global Physical Activity Questionnaire (GPAQ), erfasst anhand von insgesamt 16 Fragen die körperliche Aktivität auf der Arbeit, bei der Anfahrt bzw. Heimfahrt, Freizeitaktivitäten sowie sitzendes Verhalten. Hierbei wird die Häufigkeit (Tage/Woche) und die Dauer (Minuten/Tag) der Aktivität sowie die wahrgenommene Intensität (moderat, intensiv) abgefragt.
Zusätzlich absolvieren die teilnehmenden Hamburgerinnen und Hamburger insgesamt vier Blöcke à sechs Stunden, in denen sie ihre Aktivitäten inklusive der Intensität (leicht, moderat, intensiv) dokumentieren. Ebenfalls wird hier der Anteil stehender und sitzender Aktivität in Prozent (0-100 %) angegeben. Neben den Fragebögen erhalten die Personen einen Beschleunigungssensor, der mittels Akzelerometrie die körperlich aktiven Zeiten sowie Sitz- und Schlafzeiten misst. Die Aufzeichnung läuft für 7 volle Tage mit einer Frequenz von 100 Hz.
Die erfassten Aktivitäten werden zur Verarbeitung im Hamburger Bewegungsbericht nach Pfeifer et al. (2016) als metabolisches Äquivalent (MET) angegeben, die den Energieverbrauch für verschiedene Intensitätsbereiche körperlicher Aktivität klassifizieren. Die Einteilung ist Tabelle 01 zu entnehmen.
Tabelle 7. Kategorisierung des metabolischen Äquivalents
| Ruhe | Sitzendes Verhalten | Leicht-intensive körperliche Aktivität | Moderat-intensive körperliche Aktivität | Hoch-intensive körperliche Aktivität |
| 1 MET | 1 – 1,5 MET | 1,6 – 2,9 MET | 3 – 5,9 MET | ≥ 6 MET |
| z. B. schlafen | z. B. Fernsehen oder sitzende Bürotätigkeit | z. B. Alltagsaktivitäten, die kaum anstrengend wahrgenommen werden | z. B. schnelles Gehen oder langsames Laufen | z. B. Laufen , schnelles Radfahren oder Schwimmen |
Weitere Informationen über die NAKO-Gesundheitsstudie: https://nako.de/studie/
4.2 Hamburg City Health Study (HCHS)
Rahmenbedingungen
Es handelt sich um eine longitudinale populationsbezogene Kohortenstudie von Februar 2016 bis Dezember 2021, bei der basierend auf einer Zufallsstichprobe des Einwohnermeldeamts Personen zwischen 45 und 74 Jahren aus der Hamburger Allgemeinbevölkerung einbezogen wurden. Insgesamt wurden 12.398 Hamburgerinnen und Hamburger eingeschlossen. Die Stichprobengröße, aufgeteilt in die Kategorien Geschlecht, Altersklasse und Bildungsstand, ist in Tabelle 01 dargestellt. Das Alter sowie das Geschlecht wurden nach Angaben des Einwohnermeldeamts berichtet, während der Bildungsstand nach Selbstangaben der Standard Classification of Education (ISCED) in die Kategorien geteilt wurde und sowohl schulische als auch berufliche Bildung inkludiert. Die Daten im Hamburger Bewegungsbericht wurden durch das Epidemiologische Studienzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zur Verfügung gestellt.
Tabelle 8. Stichprobe nach Kategorien (n=12.398)
Geschlecht |
Altersklasse (Jahre) |
Bildungsstand |
||||||
| Männlich | Weiblich | 45 < 55 | 55 < 65 | 65 < 75 | ≥ 75 | Hoch | Mittel | Niedrig |
| 6188 | 6210 | 3613 | 4287 | 3830 | 668 | 6094 | 6006 | 298 |
Methodik
Die Erhebung erfolgte mittels eines standardisierten Fragebogens des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) zur Erfassung der körperlichen Aktivitäten in der Freizeit. Dabei wurden Aktivitäten, wie zu Fuß gehen, Treppensteigen, Radfahren und andere Sportarten, Gartenarbeit, Handwerksarbeit, Hausarbeit, Fernsehen und Schlafen berücksichtigt. Die Angaben wurden in durchschnittlicher wöchentlicher Stundenanzahl angegeben und für den Hamburger Bewegungsbericht in das metabolische Äquivalent (MET) umgerechnet. Die Kategorisierung der METs ist Tabelle 01 zu entnehmen.
Tabelle 9. Kategorisierung des metabolischen Äquivalents
| Ruhe | Sitzendes Verhalten | Leicht-intensive körperliche Aktivität | Moderat-intensive körperliche Aktivität | Hoch-intensive körperliche Aktivität |
| 1 MET | 1 – 1,5 MET | 1,6 – 2,9 MET | 3 – 5,9 MET | ≥ 6 MET |
| z. B. schlafen | z. B. Fernsehen oder sitzende Bürotätigkeit | z. B. Alltagsaktivitäten, die kaum anstrengend wahrgenommen werden | z. B. schnelles Gehen oder langsames Laufen | z. B. Laufen , schnelles Radfahren oder Schwimmen |
Neben der Befragung wurde als Basisuntersuchung die Handgreifkraft mithilfe eines Handdynamometers gemessen. Dabei wurde aus jeweils drei Messungen der Mittelwert für die linke und die rechte Hand genutzt. Die Daten wurden mit deutschlandweiten Referenzwerten in Anlehnung an Steiber (2016) (siehe Tabelle 03) verglichen.
Tabelle 10. Referenzwerte zur Handgreifkraft nach Steiber (2016)
| Altersklassen | Männer | Frauen |
| 65-70 Jahre | 40,2 – 50,6 kg | 24,5 – 30,5 kg |
| 70-75 Jahre | 34,2 – 47,6 kg | 23,4 – 29,2 kg |
| 75-80 Jahre | 43,7 – 45,4 kg | 22,7 – 28,9 kg |
Weitere Informationen zur Hamburg City Health Study: https://hchs.hamburg/
4.3 Longitudinal-Urban-Cohort-Ageing-Studie (LUCAS)
Rahmenbedingungen
Die Longitudinal-Urban-Cohort-Ageing-Study (LUCAS) wurde von der klinisch-geriatrischen Forschungsabteilung Albertinen-Haus im Jahr 2000 gestartet und verfolgt Altersverläufe über mehrere Jahre hinweg. Die ersten vier Erhebungswellen wurden in den Jahren 2001/2002, 2007/2008, 2009/2010 und 2011/2012 durchgeführt. Einbezogen wurden insgesamt 642 selbstständig lebende Personen im Alter von 70-93 Jahren (Durchschnittsalter 78,5 Jahre) ohne Pflegebedürftigkeit. Die Kategorisierung der Stichprobe nach ihren erfassten funktionellen Fähigkeiten ist Tabelle 01 zu entnehmen.
Tabelle 11. Kategorisierung der Stichprobe nach funktionellen Fähigkeiten; Gemäß LUCAS Funktionsindex (LUCAS-FI)
| Gesamt (n) | Robust | Im Übergang | Frail | |
| Gesamt | 642 | 104 | 323 | 215 |
| Frauen | 409 | 58 | 208 | 143 |
| Männer | 233 | 46 | 115 | 72 |
| Altersklasse 70-79 | 408 | 91 | 203 | 114 |
| Altersklasse 80+ | 234 | 13 | 120 | 101 |
Tabelle 12. Kategorisierung der Stichprobe nach funktionellen Fähigkeiten; Gemäß Short Physical Performance Battery (SPPB)
| Gesamt (n) | Robust | Im Übergang | Frail | |
| Gesamt | 642 | 174 | 284 | 184 |
| Frauen | 409 | 107 | 180 | 122 |
| Männer | 233 | 67 | 104 | 62 |
| Altersklasse 70-79 | 408 | 139 | 189 | 80 |
| Altersklasse 80+ | 234 | 35 | 95 | 104 |
Methodik
Zur Messung der funktionalen Fähigkeiten im Alter wurden Referenzwerte für Gangparameter gemäß der funktionellen Fähigkeiten selbstständig lebender älterer Menschen unter Verwendung eines objektiven Gangsystems (GAITRite) ermittelt. Dabei wurde einerseits der LUCAS Funktionsindex (LUCAS-FI) eingesetzt, der als Fragebogen ausgefüllt wird und eine Möglichkeit bietet, selbstständig lebende Seniorinnen und Senioren auf funktionelle Fähigkeiten und frühe Anzeichen von Funktionseinbußen zu untersuchen. Der Fragebogen enthält je 6 Fragen zu Gesundheitsrisiken und Gesundheitsressourcen, wie Änderungen des Körpergewichts, das Mobilitätsverhalten und möglicherweise damit zusammenhängende Ängste. Die Fragestellungen sowie die die daraus abgeleitete Bildung der Funktionsklassen ist nachfolgend aufgeführt. Zusätzlich zum LUCAS-FI wurde die Short Physical Performance Battery (SPPB) durchgeführt, ein standardisiertes Assessment-Instrument zur Messung der Funktionalität der unteren Extremitäten. Diese besteht aus drei Untertests, die das Gleichgewicht (Standvariationen), die Gehgeschwindigkeit über 4-Meter-Strecken sowie die Fähigkeit, wiederholt von einem Stuhl aufzustehen, auf einer Punkteskala von 0-12 bewerten.
Der LUCAS Funktionsindex: Fragestellungen und Ableitung von Funktionsklassen [Dapp et al. 2014]:
6 Fragen zu funktionalen Risiken (Frailty):
- Unbeabsichtigt 5 kg oder mehr an Gewicht abgenommen? (Ja)
- Art und Weise verändert, 1 km zu Fuß zu gehen? (Ja)
- Art und Weise verändert, 10 Treppenstufen zu steigen? (Ja)
- Art und Weise verändert, in ein Auto, in einen Bus/Zug einzusteigen? (Ja)
- An maximal 2 Tagen der vergangenen Woche zu Fuß unterwegs gewesen? (Ja)
- In den letzten 12 Monaten hingefallen? (Ja)
6 Fragen zu funktionalen Reserven (Robust):
- 500mGehstrecke selbstständig und ohne Schwierigkeiten möglich? (Ja)
- An mindestens 3 Tagen der vergangenen Woche zu Fuß unterwegs gewesen? (Ja)
- Mindestens 1×/Woche mäßig anstrengender Sport? (Ja)
- Mindestens 1×/Woche stärker anstrengender Sport? (Ja)
- Ehrenamtliche Tätigkeit? (Ja)
- Vermeidung von Tätigkeiten wegen Sturzangst? (Nein)
LUCAS-FI: Ableitung der vier möglichen Funktionsklassen:
- Robust: viele Reserven (3–6) und keine/wenige Risiken (0–2)
- postRobust: viele Reserven (3–6) und viele Risiken (3–6)
- preFrail: wenige Risiken (0–2) und keine/wenige Reserven (0–2)
- Frail: viele Risiken (3–6) und wenige Reserven (0–2)
SPPB Score: Ableitung der drei möglichen Funktionsklassen:
- Robust: 11-12
- Im Übergang: 8-10
- Frail: 0-7